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Kölner Stadt-Anzeiger am 15. Oktober 2004: Eine Pilgerstätte der Architektur Bonn - Den Architekten, den Städtebauern, aber auch den am Bauwesen interessierten Laien erwächst in Bonn mit seinem neu gestalteten ehemaligen Regierungsviertel geradezu eine Pilgerstätte: Mit dem nun entschiedenen Wettbewerb zum Bau des „Internationalen Kongresszentrums Bundeshaus Bonn“ sind die sichtbaren und architektonischen Eckwerte und Symbole des Strukturwandels der Stadt festgeschrieben. Im Süden ragt der Post-Tower als höchstes Gebäude des Rheinlandes in den Himmel, und im Norden wird sich künftig das ausgedehnte, aber äußerst flache Kongresszentrum ausbreiten, an dessen nördlichem Zipfel ein 15 Etagen hohes Hotel entstehen soll. Erster Preisträger des Wettbewerbs ist das junge Münchner Architekturbüro der Professorin Ruth Berktold und der Architektin Marion Wicher. Ihnen bescheinigen die Preisrichter, in besonders gelungener Weise die städtebaulichen Rahmenbedingungen und Besonderheiten der ehemaligen Arbeitsstätte von Regierung und Parlament am Rhein aufgegriffen und berücksichtigt zu haben. Dies bezieht sich in erster Linie auf den mit internationalen Preisen ausgezeichneten Bau des einstigen Bundestages, der schon seit Jahren als Vorläufer des internationalen Kongresszentrum (in Bonn kurz IKBB genannt) fungiert. Der Entwurf von Berktold und Wicher bezeugt dem „alten“ Parlamentsgebäude, das ja erst wenige Monate vor dem Regierungsumzug bezogen wurde, seinen „Respekt“ (Preisgerichtsleiter Kunibert Wachten), indem es in der Höhe die Dachkante des Bundestags-Hauses nicht überschreitet. Mit ihrem Prinzip, in die Fläche statt in die Höhe zu bauen, haben die Preisträgerinnen gleichwohl die Ansprüche der auslobenden „Gesellschaft für Grundstücksentwicklungen“ (GEAG) und der Stadt Bonn erfüllt, die zunächst auf die Bedürfnisse der Vereinten Nationen abzielen. In unmittelbarer Nachbarschaft des künftigen „UN-Campus“ im „Langen Eugen“ wird das neue Kongresszentrum einen Saal mit Bestuhlung für 3500 Menschen enthalten sowie mehrere kleinere Tagungssäle. Insgesamt bietet das Kongresszentrum ausgedehnte Büroflächen und auch Ladenzeilen für den Einzelhandel. Jedoch haben die Preisrichter innerhalb der baulichen Möglichkeiten, die die 33 eingereichten Entwürfe präsentierten, nach jenem unverwechselbaren Charakter gesucht, der das Bonner IKBB aus der Masse der nationalen und globalen Sitzungs-Architektur heraushebt. Angesicht der „inflationären Kongresslandschaft“, die sich in den Metropolen breit gemacht hat, soll, wie Preisgerichtsleiter Professor Wachten es ausdrückte, der Teilnehmer nach einer Tagung nicht auf irgendeinem internationalen Flughafen landen und sich fragen: „Wo war ich gerade?“ Er soll vielmehr mit der freudigen Erinnerung heimkehren: „Wir waren in Bonn!“ Der Unterhalt des Kongresszentrums, dessen Errichtung bereits im nächsten Jahr beginnen und das nach einer Bauzeit von zwei Jahren eröffnet werden soll, ist mit ein wesentlicher Grund dafür, dass die drei ersten Preisträger ihre Entwürfe noch einmal nacharbeiten sollen. Steht das Bonner Kongresszentrum, zu dessen Bau sich die Bundesregierung gegenüber den Vereinten Nationen verpflichtet hat, erst einmal, dann wird die ehemalige Hauptstadt nicht nur eine Museumsmeile bieten können. Dort, wo Minister und Abgeordnete ein halbes Jahrhundert ihrer Arbeit nachgingen, wird eine einzigartige Architekturmeile prangen: zu Füßen des Posttowers der schlicht-elegante Schürmannbau (Deutsche Welle), daneben das einstige Abgeordnetenhochhaus „Langer Eugen“, dazu die Gründerzeitbauten der einstigen Landesvertretungen, weiter nördlich der Bau des Bundestages und davor das neue Kongresszentrum, das wiederum das Gebäude des ehemaligen Kanzleramtes zur Seite hat. |